Wer oder was ist Autism Speaks?

Autism Speaks ist eine umstrittene US-amerikanische Organisation. Sie steht bei Autisten weltweit in der Kritik, weil sie sich durch den Verein nicht ausreichend oder gar nicht vertreten fühlen. Autism Speaks befürwortet die folterähnliche Therapie-Methode ABA.

Autism Speaks ist eine Non-Profit-Organisation, die 2005 von Suzanne und Bob Wright gegründet wurde, weil sie durch ein Enkelkind auf das Thema Autismus aufmerksam wurden.

Bob Wright nutzte seine Stellung als Direktor des Fernsehsenders NBC, um seine Organisation bekannt zu machen und konnte in der Folge prominente Unterstützung gewinnen.

Die Kritik an Autism Speaks

Bei Autist*innen steht die Organisation allerdings aus unterschiedlichen Gründen schwer in der Kritik – hier eine Auswahl:

  • Autist*innen spielen bei Autism Speaks nur eine untergeordnete Rolle. Bis dato war nur eine eine autistische Person in der Leitung der Organisation involviert: John Elder Robinson verließ den Verein, weil er die Interessen von Autist*innen nicht vertreten sah.
  • Nur ein sehr, sehr kleiner Teil ihrer finanziellen Mittel widmet Autism Speaks der Förderung von Autist*innen. Der Großteil geht in die Erforschung der Ursachen von Autismus mit dem Ziel, Autismus zu heilen und zu verhindern. 2009 nahm die Organisation 69 Millionen Dollar ein; eine Offizielle bekam dabei ein Gehalt von fast $ 700.000. Derweil sind 90 Prozent der erwachsenen Autist*innen erwerbslos.
  • Autism Speaks fördert ein sehr defizitäres Bild von Autismus. Aus ihrer Sicht muss Autismus unbedingt geheilt werden (siehe auch Ist Autismus heilbar?). Im Vordergrund steht nicht das Bestärken von Autist*innen, sondern das Leid der Eltern: So beschreibt eine Führungsperson von Autism Speaks in diesem Video, wie sie sich als Mutter eines autistischen Kindes nur deshalb nicht das Leben nahm, weil sie im letzten Augenblick an ihr nicht-autistisches Kind dachte.
  • Autism Speaks vertritt die Eltern von Autist*innen – nicht Autist*innen, geschweige den erwachsene Autist*innen. Autismus ist ein Spektrum (siehe auch Was ist Autismus?). Der Bedarf an Unterstützung ist unterschiedlich. Ziel sollte die Bestärkung der autistischen Selbstvertretung hin zu einem selbstständigen Leben in unterschiedlicher Ausprägung sein. All das vernachlässigt Autism Speaks.
  • Autism Speaks behauptet fälschlicherweise, dass es eine Epidemie gäbe (siehe auch Gibt es eine Autismus-Epidemie?).
  • Autism Speaks unterstützt die folterähnliche Therapiemethode ABA (siehe auch Was ist ABA?). Die Neuro-Wissenschaftlerin Michelle Dawson kritisiert ABA in diesem Essay.

Autism Speaks vertritt das Wohlfahrts- und Tragödienmodell von Behinderung

Eine ausführliche Auseinandersetzung mit Autism Speaks hat die Autistin und Bloggerin Mela Eckenfels verfasst. So schreibt sie unter anderem:

So verglich Suzanne Wright Autisten in ihrer Rede im Vatikan indirekt mit Leprakranken. In von Autism Speaks in Auftrag gegebenen Werbefilmen und Dokumentationen weist die Organisation immer wieder auf die angeblich zerstörerische Wirkung von Autismus auf die Familien autistischer Kinder hin. Für die Darstellung von Autisten selbst greift man gerne auf die alten irisch-keltischen Feensagen zurück und nennt Autisten „gestohlene Kinder“, also Kinder, die von nichtmenschlichen Wesen gegen ein seelenloses Scheinkind ausgetauscht werden, oder behauptet, diese seien, ähnlich wie Wachkomapatienten, in ihren eigenen Körpern eingesperrt.

Das sind nur einige der vielen Gründe, weshalb Autist*innen weltweit die Organisation Autism Speaks kritisieren, und deshalb auch von Autism Speaks initiierte Aktionen wie das blaue Licht ablehnen.

Autist*innen fordern Mitsprache und Mitgestaltung in der Vertretung und Förderung autistischer Interessen. Die Wissenschaft unterstützt sie in dieser Forderung.

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