Was ist die Autismus Spektrum Störung?

Autismus ist eine angeborene Neurodiversität. Der DSM 5 spricht von einem Autismus Spektrum, da jeder Autist unterschiedliche Herausforderungen in Bezug auf soziale Interaktionen, Wahrnehmungsverarbeitung und Alltagsfähigkeiten hat, und die Übergänge häufig fließend sind. Autismus ist nicht heilbar.

Die Autismus Spektrum Störung, oder kurz: Autismus, ist keine Krankheit. Autismus ist weder ansteckend noch heilbar. Und Autismus wird auch nicht durch Impfungen verursacht. Autismus hat aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Folge genetische Ursachen, und nein, Autist*innen sind nicht gefährlicher als die Durchschnittsbevölkerung. Das möchten wir eingangs klarstellen.

Was ist Autismus?

Autismus wird gemäß ICD 10 und DSM IV den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen zugerechnet. Während der ICD-10 noch in Kanner-Autismus, atypischem Autismus und Asperger-Syndrom unterscheidet, werden die unterschiedlichen Ausprägungen vom DSM V unter der Bezeichnung “Autismus-Spektrum” zusammengefasst.

Dieser englisch-sprachige Comic beschreibt das Spektrum, in dem die Übergänge fließend sind, anschaulich. Viele Autist*innen sprechen lieber von einer Neurodiversität (im Gegensatz zu neurotypischen Menschen ohne Autismus) als von einer Störung (siehe auch Ist Autismus eine Krankheit?).

Dessen ungeachtet sehen sich Betroffene im Spektrum mit Alltagsbeeinträchtigungen unterschiedlicher Ausprägung konfrontiert. Im Wesentlichen lassen sich neben vieler Indikatoren vier Hauptmerkmale des Autismus herausstellen:

  • Probleme in der sozialen Interaktion
  • Beeinträchtigung in der sprachlichen und/oder nicht-verbalen Kommunikation
  • Repetitives Verhalten und überdurchschnittliche Affinität zu Routinen und Ritualen (z.B. Spezialinteressen oder Stimming)
  • Störung der Wahrnehmungsverarbeitung: Autist*innen haben in der Regel keine Beeinträchtigung der fünf Sinne (sehen, hören, tasten, riechen, schmecken) – anders als neurotypische Menschen können sie diese Wahrnehmungen jedoch nicht so gut filtern. Das Gehirn unterscheidet nicht zwischen wichtigen und unwichtigen Informationen, was zu sogenannten Overloads (in etwa: extreme Reizüberflutung) führen kann.

Allerdings erlebt jede Autistin und jeder Autist diese Merkmale in unterschiedlicher Ausprägung – deshalb betrachtet man Autismus als Spektrum. Beispiel: Brandon Bickle ist diagnostizierter Autist und spielt Basketball für sein High-School-Team – andere Autist*innen haben starke motorische Einschränkungen und kein Talent für Sport.

Sicherlich finden sich manche neurotypische Menschen in einzelnen Merkmalen wieder – allerdings diagnostiziert man erst Autismus, wenn die alltägliche Funktionsfähigkeit der Person durch die Verhaltenszüge signifikant eingeschränkt ist (siehe auch Bin ich Autist?). Man geht davon aus, dass 1 Prozent der Bevölkerung im autistischen Spektrum liegt.

Die Ursache von Autismus

Auch, wenn die Ursachen von Autismus nicht abschließend erforscht sind, so gilt es in der Wissenschaft als gesichert, dass Autismus angeboren, also eine genetische Grundlage hat. Verschiedene Studien versuchen dabei die Gene zu identifizieren. Ein relevanter Durchbruch wurde noch nicht erzielt. Vieles deutet darauf hin, dass Autismus vererbbar ist. Als Ursache ausgeschlossen sind Impfungen (siehe auch Können Impfungen Autismus verursachen?).

Die sogenannte Autismus Spektrum Störung ist nicht heilbar. Gleichwohl kann eine angemessene Therapie die autistische Person bei der Alltagsbewältigung helfen.

Heutzutage wird Autismus in der Regel im Kindesalter diagnostiziert. Aber vor allem in der Generation der vor 2000 geborenen wird Autismus häufig erst im Erwachsenen-Alter entdeckt. Dies ist dem Fortschritt in der Diagnostik geschuldet, aber auch dem fehlenden Bewusstsein und mangelnden Wissensstand der 70er, 80er und 90er Jahre (von den Jahrzehnten davor ganz zu schweigen).

Autismus ist ein Spektrum

Die Ausprägungen reichen von einer Beeinträchtigung im Privat- und Berufsleben bis hin zur geistigen Behinderung mit Pflegebedarf (siehe auch Sind Autisten geistig behindert?). Daher spricht man im DSM V von der Autismus Spektrum Störung. Davon zeugen auch die vielfältigen Erfahrungsberichte von Autist*innen.

Die veralteten Unterscheidungen “leichter” (oder hochfunktionaler) und “schwerer” Autismus lehnen Autist*innen ab, da diese nicht die Auswirkung des Autismus auf die betroffene Person beschreibt, sondern auf sein Umfeld. Zudem kann es ein angeblich “leichter” Autist im Alltag von der Außenwelt unbemerkt sehr schwer haben, da er gegenüber dem nonverbalen, “schweren” Autisten ohne Hilfe auskommen muss.

Viele Autist*innen sind sich einig, dass sie nicht den Autismus als die eigentliche Behinderung wahrnehmen, sondern die nicht barrierefreie Außenwelt, die keine Rücksicht auf neurodiverse Menschen nimmt. Einen ausführlichen Beitrag zum Thema Autismus hat das Blog Realitätsfilter.

“Nein, nicht so wie Rain Man”

Nur ein Bruchteil aller Autist*innen hat eine Inselbegabung (siehe auch War “Rain Man” Autist?) oder ist “wie Sheldon” (siehe auch Ist Sheldon Cooper ein Autist?). Typisch für Autismus sind Spezialinteressen. Die können von Dauer sein oder häufig wechseln. Sie zeichnen sich durch die besondere Hingabe der Autist*in und der Aneignung enormen Themen-Wissens innerhalb kürzester Zeit aus.

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