Autismus und Suizid – wie hoch ist das Risiko?

Einer Studie zufolge ist ein Suizid bei autistischen Jugendlichen 28 Mal wahrscheinlicher. Aufgrund dieses Umstands haben Autisten eine um 18 Jahre geringere Lebenserwartung. Das erhöhte Suizid-Risiko wird vor allem auf soziale Faktoren zurückgeführt.

Eine Studie der Penn State University untersuchte die Daten von 791 autistischen Kindern, 186 neurotypischen Kindern und 35 neurotypischen Kindern mit einer Depressions-Diagnose.

Dabei fanden sie heraus, dass der Anteil der Kinder, die manchmal bis häufig einen Suizid in Betracht zogen oder gar versucht hatten, in der Autismus-Gruppe 28 Mal so groß war, wie in der neurotypischen. Höher war das Risiko nur in der depressiven Gruppe.

Diese Erkenntnisse korrelieren mit den Beobachtungen einer schwedischen Studie, die herausfand, dass Autist*innen im Schnitt eine um 18 Jahre geringere Lebenserwartung hatten. Die Haupttodesursache: Suizid.

Autismus und Suizid: Die Gründe

In der Studie der Penn State University zu Autismus und Suizid wurden zudem mehrere Risikogruppen unter den Autist*innen hervorgehoben: Schwarze oder Latinos, 10 Jahre und älter, der sozioökonomische Status sowie ein männliches Geschlecht.

Für eine Autorin bei Psychology Today ist das nicht sonderlich überraschend. Die Chance, dass ein Kind frühzeitig diagnostiziert wird, ist in einem vornehmlich weißen, gebildeten, wohlhabenden Umfeld ungleich höher als in anderen Demografien.

Auch die im Idealfall aus einer Diagnose resultierenden Hilfsangebote sind in manchen Demografien spärlich bis gar nicht vorhanden. Von Mobbing ganz zu schweigen, eine Erfahrung, von der viele Autist*innen berichten und die zum Beispiel in dem Film Ben-X verarbeitet wird.

So ist es nicht unwahrscheinlich, dass es sich bei Autismus und Suizid weniger um eine genetische Predisposition handelt, als um Ursachen, die in fehlenden Diagnosen und Hilfestellungen, ein damit oft einhergehendes ignorantes Umfeld sowie mangelnde Zukunftsperspektiven zu suchen sind.

Autismus ist nicht heilbar. Aber mit geeigneten Therapieformen und einem verständnisvollen, ermächtigenden Umfeld ist für viele Autist*innen ein selbstbestimmtes, zufriedenes Leben möglich.

Auch der Austausch mit anderen Autist*innen kann helfen (siehe auch Gibt es deutschsprachige Blogs über Autismus?).

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