Hilft Homöopathie bei Autismus?

Nein.

Nein.

Nochmal: Nein.

Autismus ist keine Krankheit. Autismus ist nicht heilbar. Ausgewählte Therapieformen können manchen Autist*innen helfen, Alltagssituationen besser zu meistern – aber Autismus heilen kann man nicht.

Es ist verständlich, dass Eltern ihren autistischen Kindern helfen wollen. Begleitung und Unterstützung für Autist*innen ist essentiell, daran besteht kein Zweifel. Aber die Idee, Autist*innen Globuli zu geben und generell der Wunsch, Autismus heilen zu wollen, ist dem klassischen Leidens- und Krankheitsmodell geschuldet und setzt voraus, dass – in diesem Fall – Eltern den Autismus ihrer Kinder nicht akzeptieren. Sprich: Die Kinder sind aus ihrer Sicht (und wahrscheinlich unbewusst) falsch.

Einschlägige Berichte in Elternblogs, dass nach Einnahme von Globuli autistische Merkmale weniger wurden und es dem Kind “besser ging”, sind Nebelkerzen und fernab jeder Realität. Zum einen funktioniert der Placebo-Effekt sowohl bei Kindern als auch bei Tieren. Zum anderen spürt man als Autist sehr wohl, wenn ein gewisses Verhalten nicht gewünscht wird. Gerade Kinder können darauf konditioniert werden (oder noch schlimmer: sich selbst konditionieren), sich “normal” zu verhalten.

Was da also der Homöopathie zugeschrieben wird, ist nichts anderes als die Reaktion auf die Zuwendung des Umfelds und dem (unbewussten) Wissen um das gewünschte Ergebnis. Psychologie, nicht Homöopathie. Es kann viele Gründe geben. Aber Autismus mit Homöopathie heilen oder behandeln zu wollen ist kompletter Bullshit.

Und überhaupt:

Homöopathie ist unwissenschaftliche Quacksalberei. Es gibt keine einzige wissenschaftlich kontrollierte Doppel-Blind-Studie, die auch nur annähernd belegen konnte, dass Homöopathie selbst bei Kleinstwehwehchen über den Placebo-Effekt und “Ist von allein besser geworden, aber wir schreiben den Erfolg den Globuli zu, damit wir unsere Geldausgabe uns selbst gegenüber rechtfertigen können” hinaus irgend etwas bewirkt hat.

Genauso gut könnte man den 10 Euro-Schein, mit dem man Globuli kaufen möchte, einfach verbrennen. Der Effekt wäre der Gleiche: Es gäbe zunächst eine Erstverschlimmerung (schließlich verbrennt man grad 10 Euro, das lässt niemanden kalt), und dann würde es einem bald besser gehen. Versprochen.

“Wer heilt hat recht?” Nein!

Zitat #1:

Ob irgendetwas tatsächlich “heilt” oder nicht lässt sich nicht durch persönliche Erfahrung bestimmen. Aus der Erfahrung eines Einzelnen kann man keine allgemeinen Schlüsse ziehen. Nicht einmal aus der wiederholten Erfahrung und auch nicht aus einer Sammlung vieler Einzelerfahrungen. Um aus solchen Anekdoten echte und verlässliche Daten zu machen, braucht es eine objektive Methodik und jede Menge Statistik. Und wenn man diese wissenschaftlichen Kriterien auf Dinge wie Homöopathie anwendet, dann zeigt sich eben, dass hier nichts “wirkt”. Und dort wo nichts wirkt, kann auch niemand “heilen” und niemand Recht haben.

Zitat #2:

Der Satz verschleiert aus meiner heutigen Sicht also eher die Tatsache, dass die Homöopathie eben nicht plausibel begründen kann, wie sie heilt und ob sie überhaupt heilt. Aber es ist schwer, das einzusehen. Ich gebe auch nicht gerne zu, dass ich mich bei der Einschätzung meiner Heilerfolge getäuscht habe. Sicherlich ist es schön, dass es vielen meiner Patienten besser ging und auch, dass ich daran teilhaben durfte. Aber Verursacherin war ich nicht. Und auch die Homöopathie war nicht verursachend. Das ist natürlich bitter. Es brechen einem einige Zacken aus der Krone.

Letztes Zitat stammt von einer ehemaligen Homöopathin. Sie weiß, wovon sie redet.

Liebe Eltern!

Autismus kann und muss man nicht heilen. Wir sprechen aus Erfahrung: In vielen Fällen ist ein selbstbestimmtes Leben als Autist*in möglich. Wichtig ist dabei, die Bedürfnisse des autistischen Kindes ernstzunehmen, ohne den Wunsch, es “heilen” zu wollen. Akzeptanz ist das wichtigste Geschenk, das man einem Menschen mit Autismus machen kann.

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